Theater Komoran

Mobiles Theater für Kinder
in Hamburg und Schleswig-Holstein
 
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POST FÜR MICH!

Mathilde
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Im April 2020, mitten im ersten Lockdown, haben wir Menschen allen Alters eingeladen, einen Brief an sich selbst zu schreiben. Eine Momentaufnahme einer besonderen Zeit, die viel längere Schatten wirft, als wir uns zu Beginn vorstellen konnten.


Ein Einschnitt:
•    Es war alles ganz normal. Dann mussten wir anfangen uns die Hände zu waschen, immer öfter und öfter. Dann musste unsere Schule schließen. Das war fürchterlich, denn wir haben uns alle gar nicht so doll verabschiedet. Wir wussten ja gar nicht, was noch so kommt. Annelotte, 9 Jahre

•    Von einen Tag auf den anderen aus dem Alltag gerissen werden. Das finde ich, als absoluter Gewohnheitsmensch, sehr anstrengend. Pia, 18 Jahre

•    Ich stehe genauso früh auf wie sonst auch, aber anstatt zur Schule zu gehen, gehe ich zu den Pferden. Irgendwann vormittags fange ich an zu lernen, mal mehr, mal weniger motiviert. Aber es fehlt die Struktur. Pia, 18 Jahre


Alltag:
•    Ich muss die Zeit füllen, weil alles geschlossen hat und man kaum etwas machen kann. Nils, 11 Jahre

•    In der Corona-Zeit habe ich viel gebastelt und mir war aber auch oft langweilig. Isabella, 9 Jahre

•    Alle Hobbys mussten aufhören, außer das Reiten. Immer habe ich mich dann frei gefühlt und alle meine Probleme fielen dann ab. Ich war froh, dass ich eine Reitbeteiligung hatte. Meine Freundinnen habe ich trotzdem vermisst und ab und zu war ich traurig. Annelotte, 9 Jahre

•    Zuhause fehlten mir die Freunde sehr. Die Osterferien waren sehr langweilig. Pauline, 9 Jahre

•    Ich vermisse meine Hobbys sehr doll! Nils, 11 Jahre

 

Schule auf Distanz:
•    Die Schule kann mir gestohlen bleiben. Die bräuchte ich von mir aus nicht. Jetzt kann ich in Ruhe ausschlafen, frühstücken. Nils, 11 Jahre

•    Nach ein paar Wochen gewöhnte man sich daran nicht in die Schule zu gehen, aber ich vermisste meine Freunde schrecklich und es war sooo langweilig. Isabella, 9 Jahre

•    Es fehlt das in Lerngruppen-Treffen, obwohl wir Videokonferenzen machen. Es fehlt das Fragen-direkt-im Unterricht-Stellen, obwohl wir den Lehrern natürlich Emails schreiben können und manche, sehr bemühte, Lehrkräfte ebenfalls Videokonferenzen anbieten. Pia, 18 Jahre

•    Die Schule war auch noch da und es fiel mir schwer, nebenbei noch eine Telefonkonferenz von meinem Bruder zu hören. Ich konnte mich dabei nicht konzentrieren. Das war schlimm für mich. Annelotte, 9 Jahre

•    Was ich definitiv nicht vermisse, sind die Fächer, die ich nicht mochte. Bei den Lehrern, von denen ich genervt war. Die Klausuren vermisse ich noch weniger. Die Doppelstunden mit Kopfschmerzen in den letzten beiden Stunden. Was ich vermisse sind die Fächer, die mir wirklich Spaß gemacht haben. Bei den Lehrern, deren Unterricht ich spannend fand. Die lebhaften Diskussionen, vor allem in Deutsch. Freunde jeden Tag in der Schule sehen. Zusammenarbeiten, wenn Aufgaben alleine zu schwierig erscheinen. Oder zu langweilig. Meine tolle Klasse. Pia, 18 Jahre

•    Ich habe gelernt, dass man sich Zeit lassen muss beim Schreiben. Annelotte, 9 Jahre

•    Ich finde es toll, wieder in die Schule zu gehen. Erst dachte ich, dass es cool ist nicht in die Schule zu gehen. Das war es aber nicht. Meine Klasse zu sehen ist toll. Smilla, 9 Jahre

•    Corona ist doof, aber wenigstens haben wir jetzt wieder 4 Stunden am Tag Schule. Laurine, 9 Jahre

•    Jetzt gehe ich wieder in die Schule, aber es nervt mit dem ganzen Händewaschen und Abstandhalten. Isabella, 9 Jahre

 

Mehr Zeit:
•    Ich hatte viel Zeit für mich selbst und konnte meine innersten Seiten entdecken. Das hat mir gut getan, eine Auszeit ist auch mal gut. Annelotte, 9 Jahre

•    Das finde ich gut an Corona: die Familie ist zusammengewachsen und ich bin selbstständiger geworden. Matilda, 9 Jahre

•    Ich finde es sehr schön, dass wir so viele Familienausflüge gemacht haben. Pauline, 9 Jahre

•    Ich war viel im Wald. Tiga musste viel geknuddelt werden. Das mochte ich sehr. Smilla, 9 Jahre

•    Ich habe Zeit viel zu lesen, endlich wieder. Ich gehe viel raus. Ich kann noch mehr mit den Pferden arbeiten als sonst. Pia, 18 Jahre

•    Ich war viel draußen und es war schon toll, dass wir so lange Ferien hatten, aber es war komisch gewesen ohne meine Freundinnen. Helene, 9 Jahre

•    In der Corona-Zeit bin ich viel draußen. Ich spiele viel auf dem Trampolin mit meiner Schwester. Melina, 9 Jahre

•    Es gab auch viele Aufmunterungen. Man hatte viel Zeit für die Familie. Isabella, 9 Jahre

•    Das sind die Momente, in denen ich denke, dass es gut so ist, wie es ist: wenn ich einfach in Ruhe bei den Pferden sitzen kann und die Sonne genieße. Oder den Wind. Oder den Regen. Aber trotzdem Ruhe. Und Entspannung. Es scheint, als würde die Zeit langsamer laufen. Pia, 18 Jahre

 

Sehnsucht:
•    Ich vermisse Oma und Opa sehr. Isabella, 9 Jahre

•    Ich vermisse es, unbeschwert durchs Leben zu gehen. Sophie

 

Über den Tellerrand:
•    Ich finde es doof, dass manche Läden schließen mussten. Obdachlose haben es noch schwerer. Ich fand es toll, dass manche Leute sich um die Obdachlosen gekümmert haben. Isabella, 9 Jahre

•    Ich fühle mich zurzeit manchmal schlecht, wenn ich an all diejenigen denke, denen die Krise viel stärker zu schaffen macht. Die, die selber erkranken. Die, die schlimme finanzielle Probleme bekommen. Die, die kein Zuhause haben. Ich fühle mich von Zeit zu Zeit schlecht, weil ich mich schlecht fühle. Ich will mir nicht eingestehen, dass die Situation anstrengend für alle ist. Und dass eben jeder auf seinem Teller lebt und zwar über den Rand blicken kann, aber dennoch seine eigenen Probleme und Sorgen hat. Pia, 18 Jahre

 

Was nervt:
•    Corona ist echt blöd. Jonathan, 8 Jahre

•    Am blödesten finde ich, dass ich immer eine Maske tragen muss. Pauline, 9 Jahre

•    Vor allem die Ungewissheit finde ich stressig. Was ist in einem Monat, in zwei Monaten, in einem halben Jahr? Wie geht mein erstes Semester los? Pia, 18 Jahre

•    Ich finde am Coronavirus doof, dass ich meine Freunde nicht sehen darf. Ich hoffe, dass es meinen Freunden gut geht. Smilla, 9 Jahre

•    Wegen Corona ist unser Urlaub ausgefallen. Ich hatte mich so darauf gefreut nach Wismar zu fahren und dann das! Becci, 9 Jahre

 

Ausblicke:
•    Ich freue mich am meisten darauf wieder ins Kino gehen zu können und ins Schwimmbad. Und meine Hobbys wieder normal betreiben zu können. Als erstes werde ich ins Schwimmbad fahren und vom Dreier springen, wenn man es wieder darf! Nils, 11 Jahre

•    Wenn Corona weg ist, möchte ich als erstes mit meinen besten vier Freundinnen spielen. Ich hoffe, dass so etwas nie wieder passiert. Annelotte, 9 Jahre

•    Ich freue mich darauf, mich mit Menschen zu treffen, auch ohne Abstand. Ich freue mich darauf, „richtig“ studieren zu können und nicht digital. Ich freue mich darauf, wieder Reitunterricht zu bekommen und geben zu dürfen. Pia, 18 Jahre

•    Ich freue mich, wenn es wieder ganz normal ist. Helene, 9 Jahre

•    Ich glaube, dass die Welt nach Corona vorsichtiger ist und dass weniger Flugzeuge fliegen. Annelotte, 9 Jahre

•    Viele sagen ja, dass man sich nicht mehr die Hände schütteln wird, ich glaube das aber nicht. Isabella, 9 Jahre

•    Ich hoffe darauf, dass Menschen vielleicht rücksichtsvoller miteinander umgehen. Mehr schätzen, was sie haben. Mehr ans Miteinander denken. Ob es so kommen wird? Ich weiß es nicht. Vermutlich nicht. Pia, 18 Jahre

 

Kulturb_ro

Unser Dank gilt dem Kulturbüro der Stadt Flensburg für die Projektförderung.